Interview mit Cyrill Harnischmacher

Interview mit Cyrill Harnischmacher, dem Autor des Buches Low Budget Shooting

Ich habe für euch mit dem Autor des preisgekrönten Buches Lowbudgetshooting, Cyrill Harnischmacher gesprochen und Ihn gefragt, wie er zu do it yourself Fotozubehör gekommen ist und wie sehr er an die Daseinsberechtigung solches glaubt. Am meisten hat mir diese Antwort von Ihm gefallen: „Erzielt man mit dem selbst gebauten Equipment gute Ergebnisse und es stellt sich heraus, daß man es oft braucht steht dem Kauf von professionellem Zubehör nichts im Weg. Ich sehe das selbst gebaute Zubehör nicht in Konkurenz zu kommerziellen Lösungen sondern eher als Einstieg in ein Thema„.

Passend dazu fängt die Beschreibung seines Buches an: Der Einstieg in die Arbeit mit Licht ist keine ganz billige Angelegenheit, professionelle Lichttechnik übersteigt sehr schnell das zur Verfügung stehende Budget. Softbox, Lichtzelt, Aufnahmetisch, Striplight oder Diffusor, all das trotzdem einfach einmal auszuprobieren, damit zu experimentieren und dabei zu lernen, ist der Wunsch vieler Amateure. Was liegt also näher, als sich das passende Zubehör selber zu bauen – doch wie, ohne Anleitung?

VD: Wann bist du zum ersten Mal auf die Idee gekommen, dein Equipment selbst zubauen und warum?

CH: Das hat sich langsam entwickelt. Am Anfang waren es ein paar kleine Reflektoren, also das, was eigentlich jeder Fotograf in der täglichen Arbeit selber baut um beispielsweise gezielt Details im Motiv aufzuhellen. Nach und nach kam dann weiteres Zubehör dazu, ein kleines Lichtzelt, Diffusoren für den Systemblitz usw.

VD: Du hast das Buch „Low Budget Shooting“ geschrieben, dass sich mit sehr einfachem und günstigem aber effektivem do it yourself Fotozubehör zu bauen und darauf ein Buch für andere zu schreiben?

CH: Für viele Amateure ist es zu teuer Zubehör zu kaufen um es einfach mal auszuprobieren. Da kann selbst gebautes Zubehör viel helfen. Erzielt man mit dem selbst gebauten Equipment gute Ergebnisse und es stellt sich heraus, daß man es oft braucht steht dem Kauf von professionellem Zubehör nichts im Weg. Ich sehe das selbst gebaute Zubehör nicht in Konkurenz zu kommerziellen Lösungen sondern eher als Einstieg in ein Thema.

Meine Motivation, das Buch zu realisieren war: Ich wollte das Wissen mit anderen Teilen aber auch der Wunsch, ein Buch zu schreiben, komplett selber zu gestalten, zu verlegen und zu vertreiben hat eine große Rolle gespielt.

VD: Du sagst in Deinem Buch, dass gerade Anfänger sehr viel besser über Lichtführung lernen können, wenn Sie sich do it yourself Fotozubehör selbst zu bauen?

CH: Wenn man sich mit dem Thema Selbstbau näher auseinandersetzt steht am Anfang eines Projektes immer die Frage “Was will ich genau erreichen?” Dadurch kommt der Lerneffekt fast automatisch. Die meisten Bauanleitungen aus dem Buch sind auch nicht sehr schwer zu realisieren. Braucht man Hilfe findet sich immer jemand, der einem mit Rat und Tat zur Seite stehen kann.

VD: Du hast mit der Flash2Softbox ein nützliches Helferlein für Strobisten entwickelt, dass einen Ursprung in einem DIY-Projekt fand. Warum war es ausgerechnet der Flash2Softbox Adapter und nicht bspw. andere DIY Prokjekte aus Deinem Buch als fertiges Set zum zusammenbauen?

CH: Der flash2softbox Adapter war zu Anfang nur ein einfacher Ring aus einem Aluminiumprofil aus dem Baumarkt, das ich mit einem Gummihammer in die richtige Form gebracht habe. Nachdem ich sehr oft auf das Teil angesprochen wurde habe ich mich entschlossen, eine kleine Serie bei einem Metallbauer in Auftrag zu geben. Diese Serie von 50 Exemplaren war innerhalb von kürzester Zeit ausverkauft. Das war für mich der Startschuß, das Projekt weiter zu entwickeln. Nach einiger Zeit stellte sich heraus, daß zu einem guten Produkt auch ein gut funktionierender Vertrieb gehört. Hier habe ich mit der Firma Sambesigroup einen kompetenten Partner gefunden. Der Metallbauer, der die erste Serie des Adapters gefertigt hat stellt übrigens auch heute noch die Adapter her. Die Produktion hier in Deutschland hat den großen Vorteil, daß sich auch individuelle Kundenwünsche schnell realisieren lassen und man auf Veränderungen, beispielsweise neue Funkauslöser, schnell reagieren kann.

VD: Was hältst Du von billiger Chinaware? Es gibt ja durchaus günstige Alternativen zum DIY. Was ist in Deinen Augen besser? Selbst gebautes Zubehör oder billiges Chinaprodukt?

CH: Das richtige Zubehör ist immer das, was einem bei der fotografischen Arbeit weiterhilft. Der Herstellungsort ist dabei zweitrangig. Der Vorteil von Selbstbauzubehör ist: Man kann das Produkt, in einem gewissen Umfang, so gestalten wie man es wirklich braucht. Auch in großen Fotostudios wird vieles selber gebaut um beispielsweise eine bestimmte Lichtsituation zu erreichen. Ein gewisses Improvisationstalent muss man als Fotograf also von Haus aus mitbringen.

VD: Verwendest du vieler deiner DIY Ideen selbst und wenn, was nutzt Du aus Deinem Buch selbst häufiger als 1 Mal in zwei Monaten?

CH: Die Reflektorhalterungen gehören mittlerweile zum Standard bei mir im Studio. Den flash2softbox Adapter nutze ich auch standing und auch der Reflektor aus Alustangen und Nylonstoff ist sehr oft in Gebrauch.

VD: Würdest Du das in Deinem Buch beschriebene Foto-Zubehör auch im kommerziellen Bereich nutzen?

CH: Ja, selbstverständlich.

VD: Was ist Dein Lieblings-DIY-Foto-Produkt?

CH: Verständlicherweise der flash2softbox Adapter, auch wenn er mittlerweile ein professionelles Produkt geworden ist. Ich nutze aber auch immer mal wieder meine ersten selbst gebauten Exemplare.

VD: Dein erstes Buch „lowbudgetshooting“ wird gerade als eBook neu aufgelegt. Warum diesmal als eBook und nicht wieder in Buchform? Glaubst Du der Trend ginge nur noch Richtung digitales Publishing?

CH: Gedruckte Bücher habe nach wie vor ihre Berechtigung. Das eBook bietet aber die Möglichkeit, sehr schnell beim Kunden zu sein und auch auf Veränderungen schnell zu reagieren. Im Idealfall entsteht dabei eine friedliche Koexistenz von gedruckem und digitalem Buch. Es ware Schade, wenn gedruckte Bücher durch elektronische Ausgaben verdrängt würde. Nach wie vor finde ich, hat ein gedrucktes Buch einen Flair, der durch die digitale Ausgabe schwer zu ersetzen ist.

Wer ist Cyrill Harnischmacher?

Cyrill HarnischmacherCyrill Harnischmacher ist 1963 geboren und studierte Freie Kunst. Heute arbeitet er als selbstständiger Graphiker. Außerdem ist er Buchgestalter und Autor. Er hat einige interessante Fotofachbücher verfasst und schreibt Artikel für Foto- und Computerfachmagazine wie c’t Digitale Fotografie, Pictures und das fotoMagazin. Sein Buch „Low Budget Schooting“ gewann 2005 den deutschen Fotobuchpreis. Seine Bücher wurden bisher in Englisch, Französisch, Spanisch, Polnisch und Chinesisch übersetzt.

Eine Fotografie ist ein Monolog ohne Worte…
Wenn Sie nichts zu erzählen hat, dann ist sie einfach langweilig.

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