Das Foto ist kein Abbild der Realität

Bildbesprechung: Was lehrt uns „die schöne Gefangene“ von Magritte über Fotografie? – Ich freue mich bereits jetzt über eine rege Diskussion mit euch.

Die Fotografie ist ein ewiges Rätsel. Zu der Entstehungszeit will sie ein absolut realistisches Abbild einer Weile sein. Sie wandelt sich mit der Zeit vom piktorealistischen Abbild hin zur surrealistischen Gestalt und Ausdrucksmittel vieler impressionistisch veranlagten Fotografen. Der Hang zum Bruch mit der akademischen Lehrmeinung ist heutzutage jedoch mehr Zufälligkeit und Naivität als ein bewusstes Stilmittel. Die Moderne Fotografie besteht entweder durch zahlreiche Zufälligkeit des Bildausschnittes oder durch Nachbearbeitung durch Photoshop.

Realität und Täuschung

Magritte hat seinerzeit mit der Serie „die schöne Gefangene“ u.A. Abbild und Realität übereinander gelegt, so auch in diesem Beispiel Bild. Der Ochsenkarren mag Teil einer Momentaufnahme gewesen sein, die aber dem Betrachter gegenüber niemals verrät, ob diese Momentaufnahme zum Zeitpunkt der Erstellung des Werks oder zu einem anderen stattgefunden hat.

Das Abgebildete Dorf samt dem Ochsenkarren kann zum Zeitpunkt der Erstellung des Werks bspw. völlig niedergebrannt sein und die abgebildete Momentaufnahme auf der Staffelei vor etlichen Jahren stattgefunden haben. Vielleicht gab es diese Momentaufnahme aber auch gar nicht an diesem Ort. Vielleicht wurde das „Bild im Bild“ auch einfach nur perfekt integriert, ohne dass dahinter die gleiche Wirklichkeit herrschte.

Ein austauschbarer Ausschnitt eines Moments

„Die schöne Gefangene“ zeigt also eine gefangene Momentaufnahme im Bild, die möglicherweise austauschbar ist oder ein verzerrtes Abbild der Wirklichkeit zeigt. In einem anderen Bild zeigt er ein geöffnetes Fenster, dass auf den ersten Blick so aussieht, als wäre es echt und zeigte schöne blaue Wolken. Schaut man jedoch genau hin, sieht man, dass die Wolken nur auf der Fensterscheibe aufgemalt sind und in Wirklichkeit sich hinter dem Fenster eine schwarze Mauer befindet.

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Menschen, die in der Großstadt das Land vermissen. Es gibt einen Folienhersteller, der Fensterfolien produziert, die eine Wirklichkeit außerhalb des Raumes vortäuschen. So bspw. hier ein Haus im Grünen, obwohl die Wohnung eigentlich im 200’en Stockwerk über Dubai rankt.
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Menschen, die auf dem Land die Skyline vermissen.

Das Foto ist kein Abbild der Realität

Was ist ein Foto dann? Ein Abbild der Realität? Nein, auch wenn es suggeriert, dass die Realität im Moment der Aufnahme so gewesen sein mag, so kann ein Foto bereits vor der Veröffentlichung entweder bei der Aufnahme oder per Postproduction manipuliert worden sein. Es ist also das Abbild einer gewollt konstruierten Realität, sofern der Fotograf das Foto ernst genommen hat. Es ist eine gefangene Momentaufnahme im Bild, die möglicherweise austauschbar ist oder ein verzerrtes Abbild der Wirklichkeit zeigt. Damit unterscheidet sich das Foto eigentlich nicht mehr von der Malerei.

Manipulation bereits bei der Auswahl der Standorts

Neulich hat mal ein geschätzter Kollege Frank Stratmann in etwa gesagt: „Mich stört es, dass Frauen oft von der Höhe des Bauchnabels aufgenommen werden. Das verzerrt deren eigentliches Aussehen.“ In der Tat werden aus dieser Perspektive die Beine länger und die Frau schlanker. Es kommt also bereits bei der Aufnahme auf die Perspektive des Fotografs an, wie das Abbild manipuliert wird.

Auf die Perspektive kommt es an

Die Frage auf einem Foto nach „was ist darauf zu sehen“, kann bereits je nach Betrachtungswinkel, Laune und vorhandenen Wissen sehr stark variieren. „Ceci n’est pas une pipe“ (das ist keine Pfeife) hatte Magritte mal unter ein Abbild einer Pfeife geschrieben. Es ist eben keine Pfeife, sondern nur ein Abbild einer Pfeife, dass je nach Kontext eine ganz andere Bedeutung bekommen kann.

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Eine Fotografie ist ein Monolog ohne Worte…
Wenn Sie nichts zu erzählen hat, dann ist sie einfach langweilig.
In Kategorie: art

5 Kommentare

  1. Das Foto ist kein Abbild der Realität und das ist doch am faszinierendstsen in der Kunst. Man kann eine ganz andere Realität machen und die Zuschauer zu täuschen.

  2. Viktor

    Ja, natürlich, nur wollen das die wenigsten….

  3. Ich denke es kommt schon darauf an, in welchem Genre man sich bewegt und welches Ziel ein Bild verfolgen soll.

    Aber die Perspektive als Manipulation zu sehen, das kann ich nicht nachvollziehen. Ist es doch die Perspektive oder Position, die ein Bild zu dem macht, was es ist.
    Auch ist doch gerade die Perspektive und der Standpunkt das, das jeder auch in der Realität weitestgehend selbst beeinflussen kann.

    Auch ist es die Kunst, die es in der Fotografie zu beherrschen gilt.

    Soweit mal meine 2 Cents. ;)

  4. Viktor

    Absolut richtig. Auch abseits der Fotografie macht die Perspektive eine gewaltigen Unterschied (kann es). Voreingenommenheit rührt bspw. aus einer bestimmten Perspektive heraus, die derjenige nicht verlassen möchte oder kann.

  5. Viktor

    Manipulation === ( Beeinflussung | Lenkung | Richtungsweisung )

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