Einer dieser Tage…

…an denen einfach nichts passt.

Ich möchte eine Geschichte erzählen. Eine wahre Geschichte.

Eine Geschichte, wie man den Mut verlieren kann, wie man trotz aller Widrigkeiten einen guten Tag hat und vielleicht auch, wie man den Spaß an der Fotografie behält.

Wir schreiben den 05.Januar im noch jungen Jahr 2017. Ich hatte ein bestimmtes Bild im Kopf.

Bei der Landschaftsfotografie gehe ich immer möglichst strukturiert vor, so auch dieses mal. In meinem Kopf hatte sich ein Bild geformt, das die Burg Hohenzollern im Sonnenaufgang mit ein paar Wolken umringt zeigt. Zusätzlich sollte aber auch noch Schnee die Bäume bedecken und die Hügel weiß färben.

Also startete ich meine Recherche schon Tage vorher. Die Position kannte ich, da ich dort schon des öfteren war und einen ziemlich bekannten Aussichtspunkt ausgesucht hatte. Dieser liegt äußerst günstig nur knapp 1,5km von einem Parkplatz entfernt.

Den Aussichtspunkt hatte ich bereits in The Photographer’s Ephemeris Gespeichert und konnte so jederzeit die Richtung der Sonne und den Zeitpunkt des Sonnenaufgangs bestimmen. Für diesen besagten Donnerstag sollte der Sonnenaufgang auf ca. 08:15 Uhr liegen. Das ist eigentlich recht human, wenn man bedenkt, zu welchen Zeiten man als Naturfotograf sonst so startet.

Auch das Wetter war laut diverser Apps optimal vorhergesagt. Es sollte die ganze Nacht über schneien und dann gegen 07:30 aufhören und nur noch „bewölkt“ sein. Genau das ist der Zustand, den ich wollte, da dann die Sonne durch den Spalt zwischen Wolken und Horizont blinzeln kann und alles in ein warmes Rot-Orange-Violett färbt. Also aller beste Vorraussetzungen für mein Bild im Kopf.

Um 05:30 startete ich zuhause. Tatsächlich schneite es zu diesem Zeitpunkt und auch über die ganze Fahrt zu meinem Parkplatz. Die Straßen waren frei und ich erreichte auch pünktlich und heil den Zielpunkt. Den kurzen Marsch über blies mir der Wind Schnee ins Gesicht und ich stapfte durch Neuschnee.

Am Aussichtspunkt angekommen war ich geflasht. Die Burg und deren Umgebung lag im Licht der blauen Stunde vor mir und sah einfach atemberaubend aus. Also schnell das Stativ vom Rucksack, Kamera mit Objektiv bestückt und alles ausrichten. Das erste Bild war dann sofort eine 10s Belichtung.

Schön, vielleicht etwas hell, aber gut. Noch kurz reingezoomt und… Oh nein!

Alles unscharf. Kurze Fehleranalyse: Anfängerfehler! Stabi am Objektiv angelassen und da dieses eins ohne Stativerkennung war: Badongz!

Aber gut nichts verloren, noch schnell eines vorbereitet und alles fertig gemacht und ab dafür.

Doch da war es schon zu spät. Die Wolken-/Nebelwand hatte sich bereits in Position geschoben und versperrte die Sicht auf das Objekt der Begierde.

Kurz dazwischen, damit ein direkter Vergleich möglich ist: Das kann man mit Lightroom noch an Details aus dem oberen Bild kitzeln…

Nicht schlecht, oder? Shoot RAW!

Aber zurück zu diesem Fototag: Ich dachte mir ich warte auf das Licht, denn das ist das, was man in solchen Situationen machen sollte. Nach schlechten Bedingungen kommen meist auch wieder extrem gute (Fotografie)Bedingungen. Also stand ich innerhalb von ca. einer Minute nach diesem Bild (Bild: 07:45) komplett im Nebel. Dieser Nebel brachte aber auch einen (ich nenne es mal etwas übertrieben) Schneesturm mit. Bereits 24 Minuten später peitschte der Wind und der Schnee so stark, dass meine Fußabdrücke begannen zu verschwinden.

Immer noch war es nicht richtig hell und die Chance auf das Bild war gegeben. Allerdings konnte ich nicht in diesem Schneetreiben so ungeschützt stehenbleiben. Glücklicherweise gibt es direkt neben dem Aussichtspunkt einen Unterstand zum Schutz. In diesen flüchtete ich dann und machte noch ein dokumentarisches Selfie. 😉

Wie man sieht kam der Schnee auch hier noch ganz gut herein. Trotzdem war es mit etwas Tee und einer Banane dann ganz gut auszuhalten an diesem Platz. Immer wieder lugte ich dann hervor um zu sehen, ob die Sicht wieder etwas besser wurde.

Tatsächlich riss die Nebelwand kurzzeitig wieder auf und gab den Blick zumindest teilweise wieder frei. In dieser Zeit entstanden dann noch diese wenigen Bilder:

Beide sind unter schwerem Einsatz von Lightroom „sichtbar“ gemacht worden, da die Sicht immer noch nicht so klar war. Auch fiel einiges an Stempelarbeit an, da die Linse während der Aufnahmen einige Schneeflocken abbekam.

Nach 1,5 Stunden sagte mir meine Wetter App immer noch Schnee für die nächsten 90 Minuten voraus. Das war für mich das Zeichen zum Aufbruch. Weitere 1,5 Stunden ohne Aussucht auf Besserung und keine Gewissheit, dass es danach besser werden würde brachten mich zum Schluss den Rückweg anzutreten.

So stapfte ich durch den noch höher gewordenen Schnee zurück zu meinem Auto, dass mich dementsprechend mit 10+cm Neuschnee empfing.😩

Zuhause gab es dann erst einmal was leckeres zu essen, einen starken Kaffee und dann wurden die spärlichen Bilder gesichtet.

 

Eigentlich bin ich aus diesem Ausflug mit leeren Händen zurück gekommen. Eigentlich war weder mein Bild, noch ein wirklich verwertbares anderes Bild dabei. Eigentlich dachte ich zwischendrin: „warum tust du dir das an?“. Eigentlich dachte ich es ist doch Quatsch für nichts so früh aufzustehen, sich in die Kälte zu setzen und sann verfroren nachhause zu kommen.

Doch jetzt im Nachhinein betrachtet muss ich sagen: „Es war ein toller Morgen!“. Und das hat mehrere Gründe.

  1. Es ist immer gut in der Natur zu sein
  2. Die Zeit in der Stille der Natur ist für mich Quality-Time. Der Ausgleich zur Hektik des Tages und meiner Arbeit.
  3. Ich habe einen Fehler gemacht, den ich vermutlich nicht so schnell wieder machen werde (Stabi). Tatsächlich überprüfe ich seit dem meine Linsen und deren Einstellung bereits beim Packen des Rucksacks.
  4. Ich habe zumindest unbewusst mein Wissen über die Fotografie angewandt und trainiert
  5. Das selbe gilt für das blinde Bedienen der Kamera, das einem in Fleisch und Blut übergehen sollte
  6. Ich habe wieder einmal gesehen, was Lightroom aus einem RAW noch alles raus holen kann (wenn ich jetzt noch gute Bedingungen gehabt hätte, was wäre da wohl drin gewesen 😉)
  7. Ich hatte einfach eine gute Zeit mit mir in der Natur und meinem Lieblingshobby

Manchmal kann die Naturfotografie ein echter „Arsch“ sein. Schlechte Bedingungen und kein Bild kommt dabei raus. Doch am Ende des Tages bin ich immer wieder froh es gemacht und erlebt zu haben, auch wenn kein Bild dabei raus springt.

Um es mit den Worten von Triple xXx zu sagen: „Ich steh auf so nen Scheiß!“

 

Inspiriert zu diesem Artikel hat mich ein Video von Thomas Heaton, ein englischer Landschaftsfotograf, der ein Video über dieses Thema erstellt hat.

In Stuttgart geboren, konnte ich mich nie von dieser schönen Stadt trennen und lebe dort auch noch heute.
Fotografisch betätige ich mich bereits seit meinem 14. Lebensjahr intensiv. Mein fotografischer Schwerpunkt ist die Naturfotografie, die mir immer wieder auch als Ausgleich zum Alltag dient.

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