Erste Eindrücke von der Sigma DP1 — a class of it’s own

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Quelle: Presse-Bilder

Die Sigma DP1 ist im Moment die einzige Kompaktkamera mit einem Foveon X3 Bildsensor auf dem Markt. „Das Einzigartige an der neuen Technologie sind die in drei Schichten eingelagerten Fotodioden, so dass – im Gegensatz zu herkömmlichen Bildwandlern – jedem einzelnen Bildpunkt die vollen Farbinformationen zur Verfügung stehen“ [digitalkamera.de]. Hinzu kommt, dass der Foveon Sensor fast genau so groß ist, wie ein Sensor in einer digitalen Spiegel-Reflex Kamera. Pixeltreue und Detailgenauigkeit, sowie ein geringes Rauschen und ein sehr hoher Dynamikumfang ist die positive Folge. In der Tat ist die DP1 eine der wenigen unter den kompakten, die wirklich hervorragende Bilder liefert. Ihre Bilder — vorausgesetzt, diese werden mit der beigelieferten Software SPP aus RAW in JPG gewandelt — haben einen eigenen, unnachahmbaren und nach HDR ausschauenden Touch.

Gemäß dem Motto a class of it’s own ist jedoch auch Ihre Handhabung. Laien und Partyknipser werden damit keine Freude haben! Die Kamera ruft quasi das ursprüngliche Verständnis der Fotografie wieder ins Leben zurück. Back to the roots, könnte ein Slogan aus der Werbung von Sigma sein. Die Blende fängt erst bei f4 an und eine Zoom Funktion fehlt gänzlich. Zudem ist die Verarbeitung der Bilder extrem langsam (3s). Geschätzt braucht die Kamera 1s zum ausfahren, 1s zum Fokussieren (natürlich ja nach Motiv), 3s zum Bildverarbeiten und nochmals 3-4s zum abspeichern des Bildes auf der Karte. In den letzten 6-7s, während die Kamera ein Bild verarbeitet und auf die Karte abspeichert, kann man nichts weder eine neue Aufnahme machen, noch im Menü etwas umstellen. Solange das Bild auf die Karte geschrieben wird, kann also zwar ein neues Bild gemacht werden, allerdings nur mit den gleichen Belichtungseinstellungen des gerade speichernden Bildes — auch in den (Halb-)Automatiken. Der Belichtungsmesser, sowie alle anderen Funktionen sind in dieser Zeit lahmgelegt. Die Kamera behält also in der Zeit die Belichtung beim alten Wert bei! Folglich muss der Fotograf sich wieder wesentlich mehr Zeit fürs Foto nehmen, so dass damit Schnappschüsse eigentlich passe sind. In ~10s ist jedes Schnappschuss-Motiv weg! Die Kamera ist fürs spontane zücken aus den Holster also definitiv nicht geeignet!

Die Festbrennweite hat neben dem Nachteil des fehlenden Zooms, einen enormen Vorteil. Bei Profis heißen Zoomobjektive immer Suppen-Zooms, sofern sie nicht qualitativ hochwertig gebaut wurden (also günstig sind) und eine weite Spanne zwischen Fern und Nah aufweisen. Bei kompakten Zooms ist dies fast immer der Fall. Sie haben meistens einen hohen Zoomfaktor und sind zudem recht günstig. Die Folge ist ein stets in allen Zoombereichen nicht optimiertes Objektiv, welches sich auf die Bildqualität dermaßen auswirkt, dass die Software der Kamera extrem nachschärfen muss. Sigma verzichtete wahrscheinlich genau aus diesem Grund auf einen Zoom und baute eine optimierte Festbrennweite ein. Unschärfe und CAs sind damit kein Thema mehr (bei richtiger Anwendung).

Fest steht also, dass die Kamera auf jeden Fall nicht für die Masse gebaut ist und sich im speziellen an Profis wendet, die eine gescheite Kamera für unterwegs suchen. Bei meinem Test sind mir folgende Dinge dennoch negativ aufgefallen:

Die kleinste Blende ist mit f11 für manche Aufgaben noch zu groß. Man beispielsweise nicht genügend Spielraum um einen ungeregelten Blitz auszugleichen (entfesselt). Der Autofokus ist wirklich sehr langsam und unempfindlich. Bei Lichtverhältnissen um ISO800-f4-1/5s ist ein Fokussieren nur noch manuell möglich. Die manuelle Fokusfunktion bringt meiner Ansicht nach allerdings nichts, da bei der geringen Brennweite von 16mm, einer Nahstellgrenze von 30cm und dem kleinem Display das Fokussieren per Hand zur Glückssache wird (es fehlt eine gescheite Referenzmöglichkeit). Einen Vorteil hat die manuelle Fokussierfunktion aber doch! Man kann den Fokus austomatisch einstellen lassen und dann den AF quasi abschalten. So verstellt die Kamera bspw. bei Selbstportraits oder anderen Spielerein bei einem erneuten Abdrücken nicht.

Die 16mm sind für die meisten Situationen (Outdoor) zu weitwinklig. Allerdings weist die Kamera keinerlei Linsenverzerrung auf! Das Bild ist schön gerade. Die Detailtreue ist ebenfalls gut genug um gegebenfalls kleinere Ausschnitte zu wählen. Allerdings bleibt für den Ausschnitt bei den effektiven 7MP dann nur wenig Spielraum. Die Nahstellgrenze von 30cm ist bei 16mm ebenso oft zu weit. Man kann relativ häufig nicht Nah genug ran. Makro, oder nur ein Versuch, sind zum Scheitern verurteilt! Da wird es die DP2 mit 41mm besser machen!

Das Rauschen ist bei ISO800, trotz des Foveon Sensor, im Vergleich zu einer DSLR sehr hoch! Der höhere Dynamikumfang kommt nur mit der beigelieferten Software SPP zur Geltung. Andere, fremde RAW Konverter kommen beiweitem nicht auf die gleichen Ergebnisse. Lightroom und Aperture produzieren zu weiche Ergebnisse, sodass User dieser Werkzeuge sich auf eine Umstellung ihres Workflows einstellen müssen.

Alles in Allem ist die Sigma DP1 eine gewöhnungsbedürftige Kamera, die bei der Richtigen Anwendung Fotos erstellt, von der jeder Kompaktkamerabesitzer nur träumen kann! Der originale Preis der Kamera ist sicherlich nicht gerechtfertigt, aber für 268,-€ ist dies die einzige Kompakt-Kamera, die für mich in Frage kommt!

Eine Fotografie ist ein Monolog ohne Worte…
Wenn Sie nichts zu erzählen hat, dann ist sie einfach langweilig.

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