Die Faszination der analogen Fotografie

Die Welt wird immer schneller, alles rast an uns nur noch vorbei. Jeder Moment gibt uns etwas neues und lässt das alte verblassen. Alles dreht sich ohne Pausen. Wir hechten durch unseren Tag, als hätten wir einen Peitscher im Rücken und scheinen uns nie umzudrehen um ein wenig zu verweilen.

Die Fotografie entwickelt sich unaufhaltsam ebenfalls in diese Richtung. Es zählen nur noch technische Raffinessen wie Sekundenbruchteile bei der Auslöse­verzögerung und die Bildanzahl bei der Serienbildfunktion.

Durch Gesichts- und Szenenerkennung tendieren die Kameramaschinen dazu bald komplett selbstständig Fotos zu machen, ohne den Fotografen in seinem rasanten Lebensstil zu lange aufzuhalten.

Noch sind wir in Europa noch nicht so weit wie unsere chinesischen Touristen, die scheinbar nur nach Europa reisen um massenweise Fotos zu machen – möglichst von so vielen Plätzen wie nur möglich. Aber die Tendenz geht dahin. Doch noch genießen wir praktische unseren beliebten Urlaub auf Mallorca oder sonst wo. Fragt sich noch wie lange.

Die ganze Idee der Fotografie, der Bildgestaltung und Auseinandersetzung mit dem Moment, der festgehalten wird, gehen total unter.

Geschwindigkeit nehmen - langsamer werden (Zeichnung: Nicole Dite)

Deswegen wirkt für mich die analoge Fotografie wie ein magischer Anker, der die Zeit wieder verlangsamen muss – allein aus der Tatsache heraus, dass die analoge Kamera voll manuell gesteuert werden muss und keine Automatiken die Aufnahmedauer verkürzen können.

Eine Fotografie ist ein Monolog ohne Worte…
Wenn Sie nichts zu erzählen hat, dann ist sie einfach langweilig.

8 Kommentare

  1. Ich bin auch schon mit der digitalen Fotografie aufgewachsen, trotz alle dem geb ich dir da voll und ganz recht. Die Entwicklung ist sehr schnell dadurch fällt das auch stark auf.
    Es ist ja auch nichts mehr ungewöhnliches, dass Fotografieren von Katalogaufnahmen (Hartwaren) komplett maschinell und mit Fließband übernommen wird.

    …fehlt nur noch dass schlecht ausgeleuchtete Schlagschatten automatisch retuschiert werden.

    Man könnte sich aber auch vorstellen die automatische Perfektionierung nimmt überhand und die Entwicklung geht wieder zurück. Wo bleibt denn sonst die Kreativität mit Licht- und Schattenspiel

  2. Viktor Dite

    Echt sowas gibts? Automatische Produktfotostraßen? Krass!

  3. Grundsätzlich stimme ich dir zu. Das Fotografien mit einer analogen Kamera war viel intensiver.

    Allerdings habe ich keine entsprechende Kamera mehr

    lg Uwe

  4. Hi,
    ich kann diesen Artikel voll und ganz nachvollziehen. Ich war neulich erst ein paar Stunden in Dresden unterwegs und bin letztlich mit 8 Fotos zufrieden und habe nur unwesentlich mehr geschossen.

    Meine Exa 1B habe ich sehr lieb gewonnen, allerdings kommt die Digitalfotografie meiner Ungeduld sehr entgegen. Da befinde ich mich im Zwiespalt aber allein durch das manuelle Fokussieren (dank alter M42-Objektive) macht die Fotografie schon deutlich bewusster und bereitet mehr Spaß.

    Das bloße Knipsen würde ich auch nicht so sehr als Fotografie bezeichnen. Party- und Erinnerungsfotos sind auch bei mir oftmals geknippse. Beim Fotografieren, denke ich selbst mit meiner digitalen Kamera oft länger über das Motiv nach.

    So genug geschrieben! ;)
    Grüße
    MischoK

  5. R.E.

    Ich fotografiere seit über 30 Jahren und wenn man so will in der dritten Generation. Schon der Vater meines Vaters hat fotografiert und natürlich auch selbst entwickelt. Inzwischen bin ich soweit, dass ich meine alte Laborausrüstung Stück für Stück wieder reaktiviere weil die üblichen „Fotolabore“ der Drogerieketten nur noch digital arbeiten und Fachlabore sauteuer sind. Und digital geht gar nicht. Ich habe Vergrößereungen aus den 90er Jahren jetzt noch einmal nachbestellt. Wenn man nur digital kennt, ist es OK aber wenn man beides, digital und analog, direkt nebeneinander halten kann, wird man als passionierter Fotograf enttäuscht sein. Also bin ich gezwungen, zu den Wurzeln zurückzukehren, als zu Zeiten meines Großvaters vor 100 Jahren ein Familienfoto sehr gut überlegt und ausgeführt werden wollte. Weil die Fotoplatte teuer war und die Entwicklung bei roter Petroleumlampe viel Zeit und Arbeit gekostet hat. Aber mit dem Ergebnis, dass dieses Familienfoto einen ganz besonderen Wert dargestellt hat und heute noch zu bewundern ist. Im Gegensatz zu den tausenden Digitalfotos, die auf irgendwelchen Festplatten und CD’s herumliegen und sich wahrscheinlich irgendwann in Luft aufgelöst haben, bevor sie irgend jemand auch nur einmal intensiver betrachtet hat.

  6. Viktor

    jep, leider. Ich hab meine analoge wieder in den Schrank zurückgestellt, weil ich kein Fotolabor gefunden habe, dass einen SW Film mit einem SW Entwickler entwickeln kann….
    Macht man es mit einem Entwickler für Farbfilme, werden die Fotos matschig, kornlos und irgendwie fad.

  7. Hallo, ich fotografiere seit Jahren fast nur analog. „Seit Jahren“ möchte ich bewusst schreiben, denn das Fotografiere selbst ist natürlich nicht sonderlich kompliziert. Doch ich benötigte viel, viel Zeit, bis ich endlich heraus bekam, wie man die Bilder in guter Qualität entweder auf dem Papier (eigenes Labor) oder auf dem Bildschirm präsentieren kann (hybride Technik). Ich glaube, gerade beim Thema Weiterverarbeitung steigen viele wieder aus. Denn einfach den Film im Drogeriemarkt abgeben, bringt nicht das gesamte Potential der analogen Fotografie zutage. Leider ist viel Wissen in puncto Nacharbeit angesagt. Hat man die Techniken jedoch raus, kann man mit sehr hochwertigen Bildern aus der Mittelformatkamera überzeugen.
    Ich fotografiere auch digital. Doch auch hier arbeite ich wie bei meinen analogen Kameras: Stativ, Wasserwaage, ggf. Shift-Objektiv, Zonenfokus. Dann beurteile ich das Histogramm mit der Testbelichtung und letztendlich wird das tatsächliche Bild gemacht.

    Gruß
    Tom

  8. Viktor

    Wie so vieles in diesem Leben ist auch die Fotografie schnelllebiger geworden. Heute bekommst Du ein Unternehmensportrait innerhalb von wenigen Tagen. Pro Bild sitzt der Fotograf dann grad mal 10-15 Minuten in der Nachbearbeitung. Einerseits ist das gut, andererseits geht die Fotografie als Handwerk mehr in Richtung eines automatischen Prozesses – vordefinierbare Makros bei der Nachbearbeitung, automatische Korrekturen, und und und…

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