Filter im Einsatz

Wie bereits in einem meiner vorhergehenden Einträgen erwähnt will ich einmal etwas zu Filtern schreiben. Mit Filtern meine ich diese lustigen runden (manchmal auch eckig, dazu später mehr) mehr oder weniger durchsichtigen Glasscheiben, die man sich so vor sein Objektiv schraubt und die der nette Elektro Markt Verkäufer immer so gerne noch mit zum Objektiv geben möchte.

Als noch Analog, also mit Film Fotografiert wurde hatten diese Filter einen sehr hohen Stellenwert. Der Weißabgleich konnte damals nicht einfach mit einem Klick geändert werden, UV Licht war noch ein echtes Problem und wer eine Tönung ins Bild bringen wollte musste dies schon vor dem Abdrücken machen.

Heute in der Digitalen Fotografie haben einige Filter ihren Nutzen verloren, andere sind immer noch nützlich und wieder andere haben eine „neue“ Aufgabe bekommen. In diesen Filter Dschungel möchte ich nun ein wenig Licht bringen:

Der Schutz oder aber UV Filter:

Die Sogenannten Schutz oder Protect Filter werden aus klarem Glas gefertigt und sollen zum Schutz des Objektiv dienen. Gerne werden hierfür heute auch UV Filter empfohlen, da sie ebenfalls (theoretisch) keine Wirkung auf das Bild haben. Der UV Filter wurde früher benötigt, um das UV Licht auszusperren. Heutzutage in der Digitalfotografie jedoch wird diese Funktion nicht mehr benötigt. Vor dem Sensor jeder DSLR ist ein solcher Filter eingebaut und somit serienmäßig an Board.

Das Thema Schutzfilter wird generell immer kontrovers diskutiert. Die einen schwören darauf, die anderen eben nicht. Wobei sich jedoch beide Lager einig sind ist: Wenn Filter dann Hochwertig! Es nutzt ja nichts, wenn ich das beste Objektiv habe, vor dieses dann jedoch noch mal eine „Fensterscheibe“ klebe.

Was heisst denn jetzt da Hochwertig? ich hab doch schon einen für 30€!

Tja da kommen wir zu dem Problem. Wirklich hochwertige Schutzfilter, seien es nun Klarglas (die ich wenn schon dann eher empfehlen würde) oder aber UV Filter, kosten mal schnell über 60€. Da ist es dann auch schon fraglich, ob ein Filter wirklich sein muss, da ja ein normales Kit Objektiv auch nicht sehr viel teurer ist.

Es ist auch so, dass die Frontlinse eines Objektivs deutlich widerstandsfähiger ist, als die meisten Leute denken. Ein Kratzer kommt da nicht so schnell rein und wenn es doch passiert, dann macht er sich meist nicht wirklich bemerkbar. Hier ein Link, der Zeigt was eine komplett beschädigte Linse noch leisten kann.

Meine Persönliche Meinung zu den „Schutzfilter“ ist: ich halte sie für Blödsinn. „Geli“ drauf und gut iss. In all den Jahren Fotografie habe ich mir noch keine Linse beschädigt. Und wenn dann der tolle Filter auch noch springt zerkratzt er eventuell erst recht die Linse. Ausserdem ist jede weitere Linse vor dem Objektiv zwangsläufig eine Verschlechterung. Also ich rate davon ab! Wenn man im Sandsturm steht, dann kann man über einen solchen Filter nachdenken, aber sonst…

Zusammenfassung:

„Keine“ Wirkung auf das Bild. Lediglich „Schutz“ für das Objektiv.

Der Pol oder Polarisations Filter:

Der sogenannte Pol Filter besteht eigentlich aus zwei Filtern. Er hat normalerweise einen festen und einen rotierenden Teil. Sinn dieses Filters ist die einstellbare Verstärkung oder aber Verringerung des polarisierten Lichts.

Eingesetzt wird dieser Filter bei verschiedenen Situationen. Eine Funktion ist bspw. die Verstärkung der grünen Färbung von Laub und Gräsern. Das Grün wirkt deutlich satter. Das gleiche kann mit dem Blau des Himmels gemacht werden. Dieses wird verstärkt und der Kontrast zu den Wolken wird verstärkt.

Eine andere wichtige Funktion ist das vermindern bzw. entfernen von Reflexionen auf nicht metallischen Materialien. Das kann man z.B. nutzen um Glasscheiben zu entspiegeln, auf den Boden eines Sees oder Flusses zu fotografieren, oder aber auch um Lack oder ähnliches nicht glänzen zu lassen. Das funktioniert sogar bei Laub und Blumenblättern nach einem Regen.

Funktionsbeschreibungen von Pol Filtern gibt es viele, weswegen ich hier nicht darauf eingehen möchte sondern mal auf Wikipedia verweise.

Vorsicht ist bei einem Weitwinkelobjektiv geboten, da es passieren kann, wenn ein sehr großer Winkel abgedeckt wird bspw. auf der linken Seite polarisiertes Licht vorhanden ist, aber rechts dies schon nicht mehr der Fall ist. Dadurch kann dann z.B. der Himmel ungleichmäßig aussehen. Also nicht wundern.

Ein Polfilter gehört also auf jeden Fall in die Fototasche. In der Landschaftsfotografie für die satten Farben, in der Naturfotografie zum entspiegeln und auch der Architektur Fotograf profitiert davon. Aber immer vorsichtig einsetzen, da der Pol ein Bild auch schnell mal Künstlich und übersättigt wirken lassen kann.

Künstlich ist die Wirkung eines Pol nur begrenzt nachstellbar. Klar kann man die Sättigung und den Kontrast auch partiell anheben, aber die Wirkung und range ist nicht die gleiche. Wenn es aber zum Entspiegeln kommt, dann hört die Bildverarbeitung auf. Das klappt nur mit einem echten Pol.

Der Pol Filter hat also auf jeden Fall noch seine volle Berechtigung in der digitalen Fotografie.
Es gibt auch noch Abwandlungen dieses Filters, wie bspw. einen Blue/Yellow Pol. Dieser färbt die Lichter zusätzlich noch gelb und die Tiefen blau ein. dies ist aber ein spezial Fall und sollte sehr bewusst eingesetzt werden.

Zusammenfassung:

Sättigt Grün und Blau, bildet Kontraste in Wolken und entspiegelt nicht metallisches Material.

Der Graufilter oder ND Filter:

Der Graufilter ist ein weiterer Filter, der immer noch seine Berechtigung in der digitalen Fotografie hat. Einfach gesagt ist seine Aufgabe einfach das abdunkeln des gesamten Bildes. Man sollte ihn nicht mit dem Grauverlaufsfilter verwechseln, doch dazu später mehr.

Also was machen jetzt diese komischen Graufilter? Also eins ist schonmal sicher: Sie machen das Bild nicht grau! „Grau“ heissen sie wegen dem Bezug zu Neutralgrau. Nun rein theoretisch sind sie absolut Farblos, lassen aber weniger Licht durch. Der Faktor, der auf den Filtern oft angegeben wird ist der Verlängerungsfaktor. Also verlängert ein 64x Filter die Belichtungszeit bei gleichbleibender Blende und ISO 64 fach.

Wozu aber soll das jetzt gut sein? Stellt euch vor, ihr seit am Eifelturm. Das Licht ist absolut gigantisch, aber leider wimmelt es vor Touristen. Jetzt gibt es die Möglichkeit auf einen freien Blick zu hoffen (unwahrscheinlich) oder aber eine Langzeitbelichtung, so dass die Touristen verschwinden oder aber zumindest stark verschwimmen.

Das andere Szenario wäre ein Wasserfall bei schönem Sonnenlicht. Drückt man nun einfach ab wird das Wasser eingefroren. Will man nun auch beim Betrachter das Gefühl von fließendem Wasser vermitteln kommt ein ND Filter zum Einsatz um die Belichtungszeit so zu verlängern, damit das Wasser verschwimmt und Dynamik vermittelt. Oder wie wärs mit Offenblende bei strahlendem Sonnenschein? Auch das ist dann kein Problem.

Als ich vorher geschrieben hatte sie seien „theoretisch farblos“ war dies bereits ein Hinweis, dass sie es meistens nicht sind. Tatsächlich haben fast alle Graufilter einen „Farbstich“. Dieser Stich reicht von Blau/Violett bis hin zu Rot. Es ist jedoch in der Regel kein Problem diesen Farbstich mit dem Weißabgleich zu entfernen. Vorsicht ist hier jedoch bei der Verwendung von mehreren verschiedenen Filtern gleichzeitig geboten, da es sonst eventuell schwieriger werden kann.

Zuletzt noch ein paar Worte zu den sog. Variablen Graufiltern. Seit einiger Zeit gibt es auch variable Graufilter. Diese bestehen aus zwei Pol-Filter, die gegeneinander verdreht werden und dadurch mehr oder weniger sperren. Diese sind zwar recht praktisch, da man nur einen Filter hat, ich würde jedoch eher zu einem Set aus mehreren Einzelfiltern raten. Die Qualität ist bei diesen deutlich höher und man kann die Ergebnisse aufgrund der festen Werte besser rekonstruieren. Auch kann man den Filter nicht versehentlich verstellen.

Auf jeden Fall ist ein Graufilter definitiv nicht durch Software ersetzbar!

Zusammenfassung:

Verlängert die Belichtungszeit ohne die Blende weiter schließen zu müssen.

Der Grauverlaufsfilter oder ND Grad Filter:

Grauverlaufsfilter bestehen immer aus einem klaren und einem „grauen“ Teil. Sie sind dafür zuständig, große Kontrastunterschiede bspw. zwischen Himmel und Boden in den Griff zu bekommen.

Diese Filter gibt es zwar auch in der runden Version, was aber deutliche Nachteile gegenüber der weiter verbreiteten rechteckigen Version hat. Das Problem bei runden Filtern ist, dass der Horizont, also der Übergang zwischen grau und klar immer in der Mitte ist. Das ist aber in den seltensten Fällen wirklich der Fall, weshalb die eckige Version deutlich flexibler ist. Diese kann entweder mit einem Filterhalter fest montiert werden, oder aber sogar einfach vor das Objektiv gehalten werden.

Grob unterscheidet man zwischen hard und soft edge, also zwischen hartem und weichem Übergang zwischen den beiden enden. Welcher der richtige ist hängt von der Situation ab.

Dieser Filter kann zwar dank der RAW Bearbeitung bis zu einem bestimmten Grad auch mit Software realisiert werden, aber bei starken Unterschieden zwischen den beiden Seiten wie z.B. bei einem Sonnenuntergang stößt die Bildbearbeitung (noch?) an seine Grenzen. Hier ist es einfach besser mit einem Filter zu arbeiten und so gleich gutes Ausgangsmaterial zu haben, denn nur aus sehr gutem Ausgangsmaterial wird auch ein spitzen Bild! Dieser Filter ist also nur bedingt durch Software zu ersetzen.

Zusammenfassung:

Dunkelt den oberen, unteren oder auch schräg durchs Bild verlaufenden Teil ab um große Kontrastunterschiede wie z.B. bei Sonnenuntergängen in den Griff zu bekommen.

Der ganze Rest:

Das wäre eigentlich auch schon alles. Natürlich gibt es bei den Filterherstellern noch tausende mehr. Die Frage ist natürlich ob man diese heute überhaupt noch braucht.

Es gibt sehr viele Farb oder aber auch sog. warming Filter. Ob man diese heutzutage noch braucht ist jedoch fraglich. Diese ganzen Farbfilter und auch die Farbtemperatur können heutzutage sehr gut mit der EBV erzielt werden.

Andere wie z.B. die sog. Sternfilter sind sehr speziell und man muss sie mögen. Aber auch diese können teilweise schon mit Software erstellt werden, wenn man denn so etwas wirklich will.

Also ich denke die Auflistung enthält so ziemlich alle Filterarten, die man wirklich noch benötigt. Zum Glück sind das heutzutage deutlich weniger als noch vor einigen Jahren und man kann so sein Budget in sinnvollere Sachen investieren.

Noch ein paar Worte zum Abschluss:

Ein Filter, egal wie teuer verschlechtert immer die Bildqualität. Ein guter Filter wird dies jedoch nur unmerklich machen. Ein schlechter Filter wird die Qualität aber merklich beeinflussen. Ein guter Filter ist zwar häufig teuer, muss es aber nicht zwingend sein.

Das beste Beispiel sind die Praktika Pol-Filter, die sehr gute Leistung bei absolut akzeptablem Preis bieten. Da aber immer mit einem minimalen Qualitätsverlust zu rechnen ist sollte ein Filter möglichst immer nur dann benutzt werden, wenn er auch gebraucht wird. Auch schluckt ein Pol-Filter immer etwas Licht, das man ja eventuell benötigt.

Wichtig bei allen Filtern ist der gezielte Einsatz mit Bedacht und Verstand. Da hilft wie immer am besten die Übung.

Also keine Angst vor den Filtern und denkt nochmal über diese umsatzbringenden Schutzfilter nach.

In diesem Sinne: Rock n´Roll

In Stuttgart geboren, konnte ich mich nie von dieser schönen Stadt trennen und lebe dort auch noch heute.
Fotografisch betätige ich mich bereits seit meinem 14. Lebensjahr intensiv. Mein fotografischer Schwerpunkt ist die Naturfotografie, die mir immer wieder auch als Ausgleich zum Alltag dient.

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