5 Gründe warum ich kein guter Portraitfotograf bin

Der künstlerische Aspekt

Alsbald Du portraitierst vergesse alle Möglichkeiten zur künstlerischen Entfaltung! Deine Modelle möchte von Dir eine möglichst realitätsnahe Abbildung haben, die Ihre Schattenseiten kaschiert und zugleichermaßen Ihre Schokoladenseite ins Rampenlicht rückt. Zeit, geschweige denn Lust für aus der Reihe fallende Aufnahmen ist meist nicht vorhanden. Dies wussten bereits schon die ersten Portraitfotografen der Welt, die Ihre Aufträge von reichen Kaufmännern erhielten und sich mit der Realitätsnähe von den Hofmalern absetzen mochten.

Emotionen


Charakterisierende und emotionale Portraits sind besonders ausdrucksstarke Fotografien, die den Betrachter sehr lange fesseln können. Beim betrachten empfinden wir automatisch die abgebildeten Emotionen nach und können uns nicht mehr so schnell vom Motiv wegreißen. Um aber die Emotionen wirklich (echt) bei der Person auslösen zu können, muss der Fotograf eigentlich ein Animateur sein und gute „Menscheln“-Kenntnisse haben. Er/Sie muss also schon eine gewaltige Prise an Humor mitbringen um bspw. ein wirklich echtes Lächeln auf die Lippen der Abgebildeten zu bringen. Eine lockere Einstellung und eine große Portion Selbstironie helfen ungemein weiter! Doch das aller wichtigste ist, das Shooting nicht all zu ernst zu nehmen! Nicht jeden Auslöser auf die goldene Waagschale zu legen. Ich hingegen verliere meinen ganzen Witz, sobald ein ungeübtes „Model“ vor mir steht. Die Luft ist raus und ich fühle mich wie ein kleines Kind vor einem Berg voll Aufgaben.

Bildgestaltung

Das Betrachten vieler Bilder anderer Künstler erweitert den Horizont und reichert den schöpferischen Ideenpool an tollen Motiven zum ausprobieren an. Idealerweise kann der Fotograf aus einer Vielzahl solcher beispielhafter Motive im Kopf etwas völlig Neues und einzigartiges kreieren. Die Flut fremder Bilder, die ich mir eine Zeit lang angesehen habe, erzeugt jedoch in meinem Kopf einen Stau, eine Blockade – ja sogar ein Minderwärtigkeitskomplex. Sobald ich mich versuche von fremden Bildern zu inspirieren, scheitert es meistens daran, dass ich glaube nichts wirklich einzigartiges geschaffen zu haben.

„denn bei Portraits habe ich die Erfahrung gemacht, dass es umso schwieriger wird, je deutlicher ich ein Bild im Kopf habe, das ich vom Model machen will“ Wolkenhand.

Vergleich Angelina Jolie Sessel Portrait
Ein schönes Portrait wie ich finde, jedoch nichts neues oder kreatives im Spiel. Andere Portraits zu imitieren sollte höchstens auf Wunsch den Kunden passieren. Hüte Dich sonst vor solchen Vergleichen. Sie werden niemals Stand halten!

Zeit

Hier zitiere ich mal aus dem Buch „Making of Menschenbilder“, Cora und Georg Banek
In der Portraitfotografie ist es manchmal so wie mit dem Essen. Ich kann entweder ein Fertiggericht ohne viel Hingabe warm machen und innerhalb kürzester Zeit verputzen oder mir viel Zeit für die Auswahl des Rezeptes, die Zubereitung der Speisen und das Genießen des Menüs nehmen. Beides macht Satt, aber der Geschmacksunterschied ist enorm!“ Zeit ist bei mir bisher so eine Sache gewesen. Entweder hatte ich oder das Model keine. Meistens ist irgendwie Zeitdruck im Nacken. Man muss eben machen, was in der kurzen Zeit möglich ist.

Bildaussage

Der Fotograf sollte vor dem Bild schon wissen, was er damit eigentlich aussagen möchte. Jedes Bild sollte bereits vor dem Abdrücken des Auslösers im Kopf schon einmal „im Kasten sein“. Wenn mir Fotografen von eine solchen Vorgehen erzählen, glaube ich Ihnen nicht! Ich wette, die meisten Ihrer besten Fotos sind (zum Teil) zufällig entstanden. Zumindest eines aus einer Serie mit zahlreichen Versuchen.
Ich erinnere mich an die Zeiten der analogen Fotografie. Selbst da war es gang und gebe für ein Shooting eine Serie anzufertigen.

Und jetzt? Alles für die Katz?

Und jetzt das wichtigste zum Schluss: höre nicht auf die schlauen Sprüche vieler, die Dir weiß machen wollen Fotografie funktioniert nach einem Prinzip, dass sich beliebig wiederholen lässt! Fotografie ist ein Gefühl, dass Du nur durch Übung bekommst. Fotografie ist vor allem Deine Sache! Lässt Du Dir dazwischenfuschen wirst Du es zu nichts bringen! Die Biographien berühmter Fotografen verlaufen schließlich auch nie mit einem strikten Plan.

Eine Fotografie ist ein Monolog ohne Worte…
Wenn Sie nichts zu erzählen hat, dann ist sie einfach langweilig.

3 Kommentare

  1. Auch ein toller Artikel, aber Kommerzielles und Kunst müssen sich nicht unbedingt ausschließen…

  2. Schöner Beitrag. Animation beim Porträt ist mir auch wichtig, doch auch stark vom gegenüber abhängig.

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