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Feuerwerk fotografieren – so machst Du es richtig!

Silvester steht ja bald wieder vor der Tür und Jahr für Jahr sehe ich immer wieder Menschen, die mit ihren Kameras das Feuerwerk kaputt-schießen. Warum? Weil sie alle ein Blitzlichtgewitter auf das Feuerwerk losballern! Hier lernst Du ganz easy, wie Du Deine Feuerwerkfotos mit wenigen Kniffen und egal mit welcher Kamera verbessern kannst!

Die meisten Feuerwerk-Knipser vertrauen zu sehr auf die Kamera und darauf, dass diese ein Feuerwerk schon richtig aufnehmen würde. Die meisten Kamera-Automatiken kommen mit Feuerwerk aber absolut nicht klar! Manche Kameras besitzen mittlerweile ja einen Feuerwerk-Modus, aber ich würde an eurer Stelle dennoch dieser Anleitung folgen.

Ein Feuerwerk im Automatik-Modus zu fotografieren ist nämlich so, als würdest Du mit Zahnpasta versuchen Deinen Boden zu wischen. Einfach nicht das richtige Werkzeug für eine bestimmte Aufgabe!

So schaut ein Feuerwerk fotografiert mit Blitz aus
So schaut ein Feuerwerk aus, wenn Du es mit Blitz fotografierst

So musst Du ein Feuerwerk fotografieren

Es gibt eigentlich zwei Möglichkeiten ein Feuerwerk richtig zu fotografieren. Die eine setzt etwas mehr Ausrüstung voraus (stabiles Stativ & Fernauslöser) und die andere setzt Dich als ruhige Hand voraus und einen netten Mitmenschen, deren Schulter Du dafür mitbenutzen darfst. Die Einstellungen bleiben gleich.

Feuerwerk Fotografieren
So schaut ein Feuerwerk aus, wenn Du es ohne Blitz und mit einer langen Belichtungszeit fotografierst


Um ein Feuerwerk zu fotografieren, benötigst Du Belichtungszeiten von länger als einer Sekunde, denn Du willst auf Deinen Bildern nicht nur kleine Kugeln, sondern Lichtstreifen sehen! Diese entstehen durch eben lange Belichtung und dem daraus resultierenden “Malen mit Licht“.
Deswegen ist es sehr wichtig, dass Du Deine Kamera beim fotografieren ruhig lagern kannst.

Feuerwerk fotografieren mit Stativ:

Für optimale Ergebnisse setzt Du Deine Kamera auf ein stabiles Stativ. Das “stabil” ist wirklich wichtig, da beim Feuerwerk meistens viele Menschen um Dich herum sind, die

  1. Dich und die Kamera plötzlich umrennen könnten und
  2. durch “rumgetrampel” Erschütterungen erzeugen, die ein billiges HAMA-Stativ oder Konsortium soweit in Eigen-Schwingung versetzen, dass die Bilder alle murks werden.

Wenn Du schon ein Stativ benutzt, solltest Du auch an eine Fernsauslösung denken! Dabei ist es egal, ob sie per Kabel oder per Funk-Fernauslösung geschieht. Hauptsache Du verwackelst das Bild nicht während Du den Auslöser drückst!

Überspringe den nächsten Block direkt zu den Einstellungen der Kamera

Feuerwerk fotografieren ohne Stativ:

Wenn Du Dein Bild nicht gerade verkaufen oder an einem Fotowettbewerb teilnehmen und einfach nur eine schöne Erinnerung an das Feuerwerk haben möchtest, reicht statt einem Stativ auch ein lieber Mitmensch aus, der seine Schulter zum Anlehnen zur Verfügung stellt.

Soldaten nutzen die Schulter ihrer Kameraden bspw. dazu, ihr Gewehr ruhig zu lagern und präzisere Schüsse abzugeben. Diese Hilfsmaßnahme kannst Du auch für das Fotografieren eines Feuerwerks nutzen.

  • Suche Dir dazu möglichst einen kleineren Menschen als Du.
  • Lege einen Ellenbogen auf seine Schulter.
  • Bilde mit Deinen Armen nun ein Dreieck und
  • stelle Deine Füße etwas weiter auseinander.
  • Versuche möglichst locker zu stehen, verkrampfe nicht! Leite ebenso Deinen Mitmenschen an!

Alternativ kaufst Du Dir irgendwo ein Körnerkissen (für die Mikrowelle), ein Bohnensack oder füllst Dir loses Füllmaterial wie Reis, Graupeln oder Bohnen in eine Stofftüte so, dass die Kamera darauf sich gut neu positionieren lässt, ohne dass Sie die Position verliert, wenn Du die Hände von Ihr nimmst.

Lege den Bohnensack dann auf eine Mauer oder eine andere Empore, und löse entweder mit dem Selbstauslöser (2Sek.) oder noch besser Remote aus.

Jetzt kann es losgehen! Das Feuerwerk beginnt.

Kamera-Einstellungen zum Feuerwerk fotografieren

Ganz wichtig: manueller Fokus

Für Deine Kamera ist es besonders schwer bei diesen Lichtverhältnissen eigenständig auf das Feuerwerk scharf zu stellen (fokussieren)! Deswegen solltest Du unbedingt – sofern das Deine Kamera kann – einen manuellen Fokus einschalten und den Fokus auf unendlich stellen. Keine Sorge! Das Feuerwerk ist von Dir soweit entfernt, dass diese Einstellungen zu 99,9% passen wird!

So stellst Du den Unendlich Fokus ein:

Wenn Dein Objektiv keine Anzeige für den unendlichen Fokus hat (umgedrehte 8) musst Du Dich in etwa 2 Meter vor eine Wand oder einen anderen Gegenstand stellen und mit dem Fokusring das Bild manuell darauf scharfstellen. Jetzt schaust Du in welche Richtung mehr Platz zum drehen des Fokusringes übrig bleibt. In diese Richtung drehst Du den Fokusring bis zum Anschlag. Das ist (meistens) die exakte Unendlich-Position. (Bei manchen Objektiven ist es kurz vor dem Anschlag.)

Wenn Deine (kompakte) Kamera keinen manuellen Fokus hat, kannst Du nur noch hoffen, dass sie den Fokus schnell und präzise genug beim Abdrücken trifft.

Belichtungszeit, Blende und Modi

manuelle kamera einstellungen
Mittlerweile haben diverse Kameras einen Feuerwerksmodus. Das Thema ist nämlich so beliebt, dass die Kamera-Hersteller dazu übergegangen sind dafür eigene Motivprogramme zu kreiren. Du kannst ihn gerne nutzen, wenn Deine (kompakte) Kamera keinen manuellen Modus besitzt. Ansonsten kann ich nur davon abraten, da Du keine Kontrolle über das Bild hast und alles der Kamera-Automatik überlässt.

  • Mache Dich vor dem Abend vertraut mit dem manuellen Modus Deiner Kamera! Das Benutzerhandbuch ist der beste Einstieg! Du musst wissen, wie Du die Blende, den ISO Wert und die Belichtungszeit manuell einstellen kannst!
  • Weg von der Vollautomatik: Wähle einen manuellen Modus (Canon, Fuji: M)
  • Wähle ISO 100 (Nikon 200) für ein möglichst rauschfreies Schwarz am Himmel
  • Wähle eine Blende zwischen 7 und 16. Das sorgt dafür, dass nicht zu viel (Streu-) Licht während der langen Belichtungszeit in die Kamera einfällt. Ist das Bild insgesamt zu dunkel, musst Du die Blendenzahl kleiner einstellen. Ist das Bild zu hell, dann musst Du die Blendenzahl höher stellen.
  • Fange bei der Belichtungszeit mit 3 Sekunden an (Achtung, nicht 1/3 sondern 3!!). Ein Teil des Feuerwerks (Ich nenne es mal Reihe) dauert meistens 3-5 Sekunden. Die Belichtungszeit wählst Du also abhängig davon wie oft neue Kugeln nachgeschossen werden. Ist die Belichtungszeit zu lang, siehst Du zwei Feuerwerk-Reihen in einem Bild. Ist sie zu kurz, siehst Du eine Feuerwerk-Reihe nicht vollständig.
  • Spiele mit den beiden Werten nach belieben hin und her unter der Prämisse: Mit der Blende steuerst Du in diesem Fall die Helligkeit des Bildes, mit der Belichtungszeit die Länge der Streifen (Schlieren) der Raketen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Auslösen

Drücke auf den Auslöser bereits dann, wenn Du den Knall der Kanone hörst! Durch die lange Belichtungszeit bekommst Du dann die entstehende Blume rechtzeitig mit. Zudem wirst Du dann auf dem Bild den Schweif der nach oben steigenden Kugel mit auf das Bild bekommen!

Willst Du das nicht, versuche rechtzeitig zum Platzen der Feuer-Blume abzudrücken.

So und nun wünsche ich Dir viel Spaß! Mit diesem Wissen wirst Du von nun auch nur schmunzelnd auf Deine Mitmenschen achten, die ein Feuerwerk mit Blitz fotografieren und sich bei jedem Bild ärgern, dass da nichts vernünftiges bei rausgekommen ist!

6 Kommentare

  1. Guter Artikel zum richtigen Zeitpunkt – klasse!

    Noch ein paar Anmerkungen. Wer kein Stativ hat, kann auch auf andere stabile Unterlagen zurück greifen. Selten passt das Fensterbrett, geht aber u.U. auch. Besser sind stabile Kissen: Bohnensack, Beutel Reis (ungekocht), Tüte mit Kaffeebohnen usw. Hier lässt sich eine kleine Kamera meist recht gut und vor allem stabil positionieren.

    Kamera auf Dauerfeuer wenn man keinen Fernauslöser hat. Vorsicht, eine Verwacklung entsteht bereits durch das Betätigen des Auslösers.

    Nicht nur einfach im Himmel das Feuerwerk fotografieren. Ein Hingucker entsteht erst durch das Drumherum. Eine Sehenswürdigkeit (Kirche, Schloss, Turm) gehört mit ins Bild. Personen sind eher nicht so gut geeignet, da bei 1 und mehr Sekunden Belichtungszeit diese verschwommen werden.

    “Trainieren” kann man bereist 1-2 vorher. Es gibt genug Leute, die an diesen Tagen schon mal die ersten Batterien abfeuern …

  2. “Nicht nur einfach im Himmel das Feuerwerk fotografieren. Ein Hingucker entsteht erst durch das Drumherum. Eine Sehenswürdigkeit (Kirche, Schloss, Turm) gehört mit ins Bild. “
    Ja, absolut! Da gebe ich Dir völlig Recht! Nur die Rosen zu fotografieren ist langweilig!

  3. ich hab das heuer zum ersten mal versucht – leider ohne fernauslöser und dummerweise ohne fokusding auf unendlich. an das konnte ich mich nicht mehr erinnern. die fotos könnten besser sein, es hätte aber auch schlechter werden können ;)
    danke für die beschreibung!

  4. Das Hintergrundlicht und das eigentliche Feuerwerk nehme ich am liebstenn getrennt auf. Also erstmal vor dem Feuerwerk eine normal belichtete Aufnahme des Hintergrundes (von mir aus mit Automatik) und dann Aufnahmen des Feuerwerkes, bei denen der Hintergrund dann ruhig unterbelichtet sein darf. Wenn das Stativ die ganze Zeit feststeht, kann man die Bilder dann gut in Ebenen in Photoshop übereinander legen, so dass von jedem Bild immer genau die Pixel übernommen werden, die heller sind als in den anderen Bildern (Modus “Lighten”). So kann man sich aus einer Stunde oder so die schönsten Bilder raussuchen und die zu einem spektakulären einzelnen Bild zusammenfügen, dem man die kleine Mogelei nicht ansieht. Wichtig: Der Weißabgleich sollte manuell gewählt werden, denn er spielt bei Feuerwerk gerne etwas verrückt und sollte ja in allen Bildern gleich sein. Kann man im RAW-Modus aber natürlich auch noch bachträglich korrigieren. Die Belichtung ist eine Wissenschaft für sich, denn anders als bei einem unbeweglichen Bild kann man nicht einfach die Blende verkleinern und die Belichtungszeit dafür verlängern, um auf das selbe Ergebnis zu kommen. Schon bei ISO 100 und Blende 8 können die Streifen so überbelichtet sein, dass man ihre Farbe kaum noch erkennen kann. Blende 11 eignet sich aus meiner Erfahrung dafür am besten!

    So schaut es dann aus:
    Feuerwerk hinter einer Skyline in Frankfurt

  5. Sehr interessantes Vorgehen! Das würde dann wie beim HDR das beste Bild aus beiden Situationen miteinander verbinden…

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