Kinderfotografie: 7 Tipps und Tricks, um süße Monster kunstvoll einzufangen

Kinder haben ihren eigenen Willen und lassen sich nicht so leicht zum Modeln animieren. Das wahre Lächeln kommt unbewusst, beim Spielen oder Herumtoben. Es geht also zunächst um die Grundsatzentscheidung: soll das Ergebnis ein gestelltes Foto zeigen oder das Kind in seiner „natürlichen Umgebung“? Ich beschreibe in dieser Übersicht Schritt für Schritt was du beachten musst, um sehenswerte Aufnahmen von Kindern zu erhalten.

Einstellungssache

Die Blende setze ich zum Start auf f5.6, wobei dieser Wert während des Shootings auch schnell nach oben oder unten korrigiert werden kann. Ziel ist es, den Hintergrund mit einer ansprechenden Unschärfe umzusetzen. Der ISO-Wert hängt davon ab, wo die Aufnahmen vorgenommen werden und wie die aktuelle Lichtsituation ist. Setze den Wert zunächst auf 200 und halte ihn wenn möglich unter 800.

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Bild: AlohaHawaii | shutterstock.com

Die Verschlusszeit sollte bei 1/200 Sekunde oder schneller starten. Laufen die Kinder herum, so gehe auf bis zu 1/500. Ist es dafür zu dunkel, so erhöhe den ISO-Wert oder spiele mit der Blende. Der Autofokus steht auf kontinuierlich. Für die spätere Nachbearbeitung der Bilder ist das RAW-Format vorzuziehen.

Bewegung, statt Stillstand

Größere Kinder können vielleicht noch zum Posen gebracht werden, aber die Kleinsten spielen da kaum mit. Die Aufmerksamkeitsspanne ist viel zu gering. Vielleicht ist es auch nicht der beste Ansatz, ein weiterer Erwachsener zu sein der sagt, was man machen soll. Vielmehr sollte der Natürlichkeit, dem Verspielten und der großen Energie Raum gegeben werden. Wir lassen das Kind also spielen und toben. Nur so ist ein echtes Lächeln, der erstaunte Blick oder ein herzhaftes Lachen möglich.

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Bild: Tomsickova Tatyana | shutterstock.com

Der Fotograf ist gar nicht da

Kinderfotografie bedeutet, dass wir besonders geduldig sein müssen. Lasse das Kind nicht spüren, dass du Fotos machst. Du kannst nichts erzwingen (oder deine Aufnahmen sehen entsprechend aus) und so lassen wir die Kinder herumwandern, mit Requisiten spielen, die Umgebung erkunden. Im Ablauf des Spielens wirst du zahlreiche, sehr flüchtige Momente erleben die sich lohnen, festgehalten zu werden. Da heißt es ruhig im Hintergrund die Bewegungen des Kindes zu spiegeln und jederzeit zur Aufnahme bereit zu sein. Kinder sind Fremden gegenüber zu Beginn oft misstrauisch, weshalb die Eltern immer mit einbezogen werden sollten.

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Bild: Tatiana Bobkova | shutterstock.com

Natürlich kannst du (oder besser noch ein Elternteil) dann und wann das Kind rufen. Fokussiere sofort auf die Augen und mache dein Bild. Zwar kommt das Kind kurz aus dem Spielen heraus, doch sind so oft emotional berührende Aufnahmen möglich. Wer gut mit Kindern kann und diese schnell als Freunde gewinnt, hat natürlich mehr Möglichkeiten der Interaktion. Kleine Geschenke, wie Seifenblasen oder ein kleines Spielzeug lenken ab und sorgen gleich für eine erste, gesteuerte Motividee.

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Bild: EvgeniiAnd | shutterstock.com

Perspektivwechsel

Variiere die Perspektive regelmäßig. Bewege dich zunächst auf Augenhöhe der Kinder. Die Sicht der Eltern auf das Kind (schräg von oben herab) ist zu bekannt. Auf der Höhe der Augen oder gar etwas darunter bringt euch auf eine gemeinsame Ebene – bildlich und wortwörtlich gesprochen. Auch der Blick gerade von oben herab (Top-Shot mit einem 90°-Winkel zum Objekt) oder von unten nach oben – die Klassiker Aufsicht / Untersicht – bieten reizvolle Motivvarianten.

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Bild: shutterstock.com

Natürliches Licht vs. Blitz

Wann sollte ein Blitz eingesetzt werden? Die Antwort: Möglichst gar nicht. Sind natürliche Aufnahmen gefragt, so steht jedes Auslösen für eine Unterbrechung, welche die Aufmerksamkeit des Kindes auf den Fotografen lenkt. Ist es jedoch zu dunkel und bringt auch das Zusammenspiel Blende, Verschlusszeit und ISO keine brauchbaren Aufnahmen, so haben wir keine andere Wahl. Generell sollte der Blitz dann zur Decke/Wand gerichtet sein, da direktes Licht das Motiv flach wirken lässt oder harte Schatten erzeugt. Im besten Fall reicht das Licht eines großen Fensters aus, bei weit geöffneter Blende.

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Bild: BlueOrange Studio | shutterstock.com

Location

Es ist vielleicht nicht die beste Idee, dass Kind in die Umgebung mit der besten Lichtsituation zu setzen. Vielmehr sollte es das Ziel sein eine Umgebung zu nutzen, in der sich das Kind wohl fühlt. Da kommt das Kinderzimmer, Wohnzimmer, der heimische Garten und ein Spielplatz als Erstes in den Sinn. Achte da sehr auf den Hintergrund. Dieser kann das Kind in den gewünschten Kontext setzen, genauso aber auch ablenkend wirken. Ist genügend Zeit, so plane eine Outdoor-Aufnahme, einige Fotos im Innenbereich sowie Bilder in Pose vor neutralem Hintergrund ein.

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Bild: Eugene Partyzan | shutterstock.com

Experimente

Generell ist die Kinderfotografie experimentell, ein Erlebnis ohne Planung. Die Kinder schenken die Motive. Wer seine Kreativität ausleben möchte, experimentiert ebenso. Spiele etwa mit deinem Zoom, um Bild-füllend Ausschnitte der gebotenen Szene zu präsentieren. Eltern wollen die Gesichter ihrer Kinder sehen, nicht die Einzelheiten der Umgebung. Setze deinen Fokus etwa genau auf die Augen und fange nur das Gesicht ein: bildfüllend.

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Bild: sutipond | shutterstock.com

Unter deinen Aufnahmen dürfen gerne auch einige „abstrakte Werke“ dabei sein: das könnten etwa Abschnitte des Körpers sein, wie etwa die Beine, die von der Bank baumeln, die langen Wimpern von der Seite oder die Hand mit dem Teddy. Fordere zuletzt ein Elternteil auf, sich vor das Kind zu stellen, um eine Körperseite als Rahmen zu nutzen. Oder bitte sie, das Kind an die Hand zu nehmen.

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Bild: KonstantinChristian | shutterstock.com

Bonustipp vom Blogvater

Wenn Du ein echtes, erstauntes und völlig natürlich wirkendes Lachen vom Kind haben möchtest, dann frage die Eltern ob sie dem Kind ein bekanntes und geliebtes Lied vorsingen können. Beim Singen sollen Sie eine oder mehrere Passagen absichtlich falsch singen. Das erzeugt im Kind ein „he? Das ist falsch Mama…“ und ein wundervoll echtes Lachen / Lächeln.

Dirk Metzmacher arbeitet für das professionelle E-Learning-Portal TutKit.com. Dort werden tausende Tutorials, Design-Vorlagen und Presets für Kreative und digitale Macher geboten. Die Themenbereiche sind Fotografie, Web, Grafik und Business. Der Zugang erfolgt über eine monatliche Flatrate, die bei 9,95 Euro startet. Ein erster Test ist aber kostenlos. Der Autor freut sich über einen Besuch.

2 Kommentare

  1. Hallo,

    schöner Beitrag und viele hilfreiche Tipps. Ich habe mit der Zeit noch ein „Kommando Stopp“ erfolgreich angewendet. Die Kinder wissen nach einer kleinen Zeit ganz schnell, dass es dann mal kurz „erstarren darf“ und nicht zum Fotografen schaut. So bekommt man auch natürliche Fotos aus der Situation heraus und kann selber noch ein bisschen mehr eingreifen in die Bildkomposition.

    Liebe Grüße Frank

  2. Viktor

    Eine sehr interessante Idee. Auf diese Weise kann wirklich sehr schnell spielerisch mit den Kids „warm werden“ und gute Shots einpacken.

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